Ein Märchen wird wahr! Unser Ritt nach Radebeul

 Ein Traum ging in Erfüllung!

Wir sind mit unseren Fellnasen bis nach Radebeul zu den Karl-May-Festtagen geritten – 180 km in fünf Tagen!

Im Herbst 2018 kam unser Cowboy Micha mit der Idee, zu den Karl-May-Festtagen nach Radebeul zu reiten. Wir waren total begeistert von diesem Abenteuer. Doch an diesem Nachmittag wussten wir alle noch nicht, auf was wir uns da eingelassen haben! Keiner hätte auch nur ansatzweise ahnen können, welche Hürden wir meistern müssen, welche Glücksmomente wir erleben und wie sehr uns diese Reise zusammenschweißt. Aber beginnen wir erst einmal ganz von vorn.

Nach einem dreiviertel Jahr Vorbereitung und Planung, unzähligen Telefonaten, etlichen Besprechungen und vielen Trainingseinheiten packten wir am Samstag, den 25.05.2019 unser Gepäck in unsere drei Begleitfahrzeuge, wobei eines einen Pferdeanhänger hintendran hatte. Doch was benötigt man überhaupt auf so einem Ritt für Pferd und Reiter? Wir packten von allem etwas ein, um dann während der Reise festzustellen, dass das Wichtige nicht mit an Bord ist, wie zum Beispiel kleinere Sattelgurte oder Augensalbe. Doch zum Glück brachten unsere Daheimgebliebenen uns dies am Abend jeweils zu den Unterkünften vorbei. Die Begleitfahrzeuge waren bis unters Dach vollbeladen. Am Sonntag, den 26.05.2019 war es dann endlich soweit. Wir trafen uns 06:30 Uhr auf der Noack-Ranch. Die Pferde schauten schon ganz verdutzt, da wir sonst nie so zeitig vor Ort sind. Sie ahnten bestimmt, dass wir etwas Großes vorhatten. Nachdem der letzte Rest in den Fahrzeugen verstaut war, machten wir unsere fünf Fellnasen (Prix, Petronella, Piter, Minke und Cheyenne) startklar. Hochmotiviert und voller Elan stiegen Ira, Astrid, Ines, Micha und Vivian auf ihre Pferde. Noch schnell ein letztes Foto gemacht und dann starteten wir pünktlich 08:00 Uhr unsere abenteuerliche Reise. Wir nahmen uns jeweils ca. zwei Stunden im Sattel vor und dann eine Stunde Pause für Pferd und Reiter. Oftmals ging dieser Plan jedoch nicht ganz auf, sodass wir das eine Mal sogar insgesamt vier Stunden am Stück im Sattel saßen. Hierbei kamen alle an ihre Grenzen, die Reiter und vor allem auch die Fellnasen. Unsere Route war an sich gut geplant mithilfe einer erfahrenen Wanderreiterin, jedoch machte uns die Natur hin und wieder einen Strich durch die Rechnung. Wege, die in der App eingezeichnet waren, gab es in Wirklichkeit gar nicht oder sie waren von Bäumen und großen Ästen aufgrund des Bruchs unpassierbar. Also hieß es, Alternativen suchen und anders reiten – 13 km Umweg kamen dabei rasch zusammen. Doch diese und viele, viele andere haarsträubende Situationen meisterten wir als Team mit viel Humor und guter Laune. Es lag stets ein Witz auf den Lippen und herzhaftes Lachen schallte den ganzen Tag um uns herum. Das machte vieles einfacher! Am Sonntagabend erreichten wir dann unsere erste Unterkunft in Tannenberg nach ca. 40 km. Nachdem alle Pferde gut versorgt auf der Gastkoppel standen, hatten wir nur einen großen Wunsch: Eine lange, heiße Dusche! Zum Abendbrot ließen wir den ersten Tag noch einmal Revue passieren und gingen voller Stolz in unser Nachtlager. Doch an Müdigkeit und Schlaf war gar nicht zu denken. Trotz der großen körperlichen Anstrengung waren wir mental noch zu euphorisch und aufgeregt von den ganzen Erlebnissen des ersten Tages. Also quatschten wir und quatschten wir, bis 05:00 Uhr morgens der Wecker klingelte. Aufstehen, anziehen, Pferde füttern, frühstücken, Begleitfahrzeuge packen, Pferde fertig machen, rein in den Sattel und los geht´s! – Unsere morgendliche Routine. Am Montagmorgen 08:00 Uhr ritten wir weiter nach Börnichen. Die Landschaft, die wir passierten, war atemberaubend – wie im Märchen! Wir ritten an riesigen, blühenden, knallgelben Rapsfeldern vorbei, durch romantische Wälder, durch enge Waldgassen, durch Bachläufe, und vieles mehr! Auch Straßen waren dabei, die wir nicht ohne weiteres umreiten hätten können. Also ritten wir wie eine Entenfamilie auf Bundesstraßen hintereinander und ein Begleitfahrzeug sicherte uns von hinten ab. Auf einer Schnellstraße mussten wir ca. 70m nach oben reiten und dann links in einen Waldweg einbiegen. Die LKWs donnerten von weitem über die Straße und wir dachten: „Gut, Augen zu und durch!“ Im Galopp passierten wir diesen Straßenabschnitt, denn wir wollten ja schließlich kein Verkehrshindernis darstellen. Unsere fünf Fellnasen haben diese Situation souverän gemeistert und uns zu 100% vertraut. Das Adrenalin und der Stolz auf unsere Pferde ließen uns fast platzen! Am Montagabend, den 27.05.2019 erreichten wir total erschöpft (Aufgrund des unpassierbaren Waldweges durch Schneebruch, der übrigens der einzige in diese Richtung war, mussten wir ca. 13km Umweg reiten!), jedoch glücklich und zufrieden unsere zweite Unterkunft in Börnichen. Doch dann der herbe Rückschlag! Beim Absatteln entdeckten wir bei Cheyenne und Piter eine große Druckstelle vom Sattel mitten auf dem Rücken. Wir überlegten hin und her, doch uns fiel keine Alternative ein. Also riefen wir unseren Vereinsfotografen Christian an, der zu Hause geblieben war und baten ihn, einen weiteren Pferdeanhänger vorbei zu bringen. Mit dieser Lösung konnten wir uns trotzdem nicht so recht anfreunden, denn zum einen hätten wir gemogelt (Einzelne Pferde wären die komplette Strecke nicht gelaufen!) und zum anderen wären Piter und Cheyenne von 100 auf 0 heruntergefahren bzgl. der täglichen Bewegung. Nach weiterem Überlegen kamen wir auf die Idee, die Strecke von Börnichen nach Mulda selbst zu laufen und die beiden Fellnasen ohne Sattel zu führen. Somit hätten die beiden die Kilometer auf der Uhr und die entsprechende tägliche Bewegung, aber schonender. So setzten wir es dann auch in die Tat um. Ausgerechnet am Dienstagmorgen regnete es wie aus Eimern. Naja, Reitregenmantel und Zwiebelsystem beim Anziehen und das Wetter machte uns nichts aus. Nach jeder Rast wechselten wir uns mit dem Laufen und dem Reiten ab, sodass alle einmal „spazieren“ gegangen sind. Unterwegs setzten wir uns mit unserem Tierarzt und unserer Osteopathin in Verbindung und holten einige Genesungsratschläge ein. Der Rücken der beiden Fellnasen hatte sich über Nacht in Mulda, in unserer dritten Unterkunft, bereits gebessert. Jedoch wollten wir kein Risiko eingehen und liefen auch am Mittwoch noch mit Cheyenne und Piter. Das Wetter hatte sich nun auch wieder etwas gebessert. Der Regen war verschwunden, die Wolkendecke blieb. Wir ritten / gingen durch den riesigen Tharandter Wald, der sich ewig in die Länge zog. Auch hier waren in der App wieder Wege eingezeichnet, die gar nicht existierten, sodass wir wieder einmal etliche Kilometer Umweg auf der Uhr hatten. Doch so sahen wir mehr von diesem wunderschönen Mischwald. Abgesehen von den Poschmerzen und den anderen Wehwehchen konnten wir hier die Seele richtig baumeln lassen und uns in den Bann des märchenhaften Waldes ziehen lassen. Nur leider hatten wir kaum Handyempfang und konnten uns nur sehr mühsam mit unseren Begleitfahrzeugen verständigen. Dabei ist uns wieder einmal bewusst geworden, wie abhängig wir doch von der ganzen Technik sind! Unterwegs vernahmen wir immer wieder ein metallisches Geräusch und bemerkten, dass die Duplex-Eisen bei unserer Friesenstute Minke hinten komplett abgelaufen waren. Wir telefonierten mit der Betreiberin des Wanderreitstalles, in dem wir als nächstes nächtigten. Am Abend erreichten wir diesen dann in Mohorn. Bei der Ankunft war der Hufschmied, ach nein, der HufTechniker, bereits vor Ort. Er entfernte die hinteren Hufeisen bei Minke, raspelte den kompletten Tragrand weg und zusätzlich noch über den Strahl. Uns sträubten sich bei diesem Anblick die Nackenhaare. Doch er war ja der „Fachmann“! Anstatt neue Eisen auf die Hufe zu machen, war er der Meinung, das Pferd müsse barhuf gehen und Eisen hätte er sowieso nicht dabei. „Ok“, dachten wir, ändern konnten wir in diesem Moment eh nichts. Nachdem die Pferde gut versorgt auf ihrer Koppel standen, aßen wir alle gemeinsam in einem großen Countrysaloon Abendbrot. Wir ließen die vergangenen Tage noch einmal Revue passieren und konnten kaum glauben, dass nur noch eine Etappe vor uns lag und wir dann bereits in Radebeul sind! Am Donnerstagmorgen klingelte 05:00 Uhr morgens der Wecker und Vivian sprang voller Elan aus dem Schlafsack. Doch ihre Vorfreude auf die letzte Etappe wurde ihr rasch wieder genommen, da sie von Ira erfuhr, dass Minke sehr feinfühlig bis gar nicht lief. Die einzige Option, die uns blieb, wir mussten diesen HufTechniker noch einmal bestellen. Natürlich war Männertag und unsere Hoffnung war sehr gering. Nach etlichen Telefonaten und ewiger Wartezeit erschien er 10:00 Uhr auf dem Hof. Widerwillig machte er die neuen Duplex-Eisen drauf mit unerwünschten, belehrenden Predigten zum Thema Pferdehaltung, Reiten von Friesen und Umgang. Nach einer saftigen Rechnung konnten wir dann endlich um 11:00 Uhr los reiten. Piter war wieder fit, Cheyenne war jedoch gar nicht mehr reitbar dank des HufTechnikers! Er hatte ihr am Abend zuvor ungefragt einen Wirbel auf der Sattellage eingerenkt, weshalb sie massivste Druckschmerzen an dieser Stelle hatte! Unsere Nerven lagen blank! Also musste Cheyenne auf der letzten Etappe auch wieder geführt bzw. zum Teil auch als Handpferd genommen werden. Der Männertag war natürlich voll im Gange und die Massen füllten die Rad- und Wanderwege. Unsere Fellnasen blieben jedoch total ruhig und entspannt und die Gerte wurde kurzerhand zum Abstandshalter für Passanten eingesetzt. Kurz vor Radebeul wurden wir noch einmal auf eine echt harte Probe gestellt. Wir mussten die Elbe überqueren. Hierfür mussten wir über eine Güterzugbrücke. Auf dem Radweg an der Seite passten nicht einmal zwei Pferde nebeneinander, der Boden war aus Metall und wir saßen auf der Höhe des Geländers im Sattel, an dem es EINIGE Meter in die Tiefe in die Elbe ging. Wir beteten, dass beim Überqueren kein Zug kommt. Das Hufgeklapper auf dem Metallboden schepperte! Und unsere Fellnasen? – Sie liefen mit uns darüber, als wenn es das Normalste von der Welt sei. Wir waren so unglaublich stolz auf sie, sodass die Freudentränen in Strömen flossen! Nach dieser „Prüfung“ sind wir für alles gewappnet! 20:00 Uhr erreichten wir dann endlich das Sternreitercamp. Unsere Begleiter und Daheimgebliebenen, die nun mit auf dem Zeltplatz eingetroffen waren, hatten bereits unsere Koppel mit Pufferzone und zum Teil die Zelte aufgebaut. Das nahm uns unwahrscheinlich viel Arbeit ab und wir hatten etwas mehr Zeit, die Pferde und uns Reiter herunterzufahren. Nach einem letzten Foto von unserer Ankunft stiegen wir von unseren Fellnasen ab und konnten es gar nicht fassen, dass wir tatsächlich bis nach Radebeul geritten sind! Absatteln, füttern, loben, loben und nochmals loben stand nun auf dem Programm. Als wir am Abend dann alle etwas zur Ruhe gekommen waren, unsere mutigen, tapferen und abenteuerlustigen Pferde vor uns sahen, flossen die Freudentränen erneut. Unsere Emotionen kann man gar nicht in Worte fassen! Wir verbrachten zwei tolle Tage im Sternreitercamp und auf dem Karl-May-Festgelände. In die Welt der Cowboys und Cowgirls, von Winnetou und Old Shatterhand einzutauchen, war sehr eindrucksvoll und erholsam. Wir sind dem Alltag und dem ganzen Stress einfach mal entflohen und haben uns von der Atmosphäre mitreißen lassen. Unsere Pferde hatten sich in dieser Zeit ihre Pause verdient! Am Samstag sind wir mit ihnen ein kleines Stück spazieren gegangen, damit sie nicht ganz einrosteten. Sonntag war dann endlich der große Tag gekommen. Wir standen früh zeitig auf und hübschten unsere Fellnasen für die Sternreiterparade auf. Gemeinsam mit hunderten Reitern von überall her stellten wir uns 10:00 Uhr auf. Unter ihnen stand ein prachtvoller Friese, der wunderschön geschmückt war. Natürlich mussten wir mit ihm ein Foto machen. Leider meinte es die Sonne an diesem Tag besonders gut und so schwitzten wir bei großer Hitze während der Parade. Doch Gänsehaut bekamen wir trotzdem. Nachdem wir vom Sternreitercamp durch das Festgelände geritten waren, ritten wir auf der großen Feststraße entlang, links und rechts tausende Zuschauer. Unser Cowboy Micha schwenkte unsere Vereinsfahne und die Friesen präsentierten sich voller Stolz. Alle jubelten und klatschten und wir kämpften schon wieder mit unseren Emotionen und den Freudentränen. Das war der absolute Höhepunkt unserer Reise! Als Andenken erhielten wir als Sternreiter eine Karl-May-Münze. Mit unseren knapp 180 km Anreise auf dem Pferd machten wir den 4. Platz von insgesamt 52 angemeldeten Gruppen. Wir platzten bald vor Stolz! Auf dem Rückweg ins Sternreitercamp entschieden wir, dass wir nicht den anderen Reitern den steilen Berg hinauf bei der Hitze folgen, sondern wieder durch das Festgelände reiten. Zum Glück wählten wir diesen Weg, denn unterwegs trafen wir Winnetou und Old Shatterhand, die gern mit uns ein Foto machten. Einen besseren Abschluss für den Tag hätten wir uns nicht wünschen können! Zurück im Camp hieß es: Pferde absatteln, alles einpacken, Pferde verladen, nach Hause fahren und gut. Doch leider war Prix, unser Schelm, anderer Meinung. Alle Pferde standen in den Pferdehängern bereit zur Abfahrt. Prix hatte jedoch andere Pläne und Hänger fahren war da nicht mit drin. Wahrscheinlich wollte er die komplette Strecke wieder zurück laufen. Bereits auf dem Hinweg war er nicht kaputt zu kriegen. Während alle Pferde die Pausen zur Erholung nutzten, hatte Prix nur Quatsch im Kopf. An Ausruhen war bei ihm nicht zu denken. Drei unendlich lange Stunden versuchten wir, das freche Fjordpony zu verladen – doch keine Chance. In der Zwischenzeit luden wir die anderen Pferde wieder aus und stellten sie bei freundlichen Zeltnachbarn auf der Koppel unter. Irgendwann hatte unsere Geduld ein Ende, nachdem wir alles versucht hatten. Wir riefen den Tierarzt, der ihm dann ein Beruhigungsmittel verabreichte. So schoben wir dann Prix zu acht in den Pferdehänger. Nachdem wir endlich alle eingeladen hatten, fuhren wir endlich zurück auf die Noack-Ranch. Der Rest der Herde empfing uns mit freudigem Wiehern.

Nun sind wir wieder daheim angekommen und haben beschlossen, dass wir dieses Abenteuer auf jeden Fall irgendwann noch einmal wiederholen. Ein Spruch besagt: „Glück ist die Summe schöner Erinnerungen.“ – Und unser Glück ist durch dieses Abenteuer um ein Vielfaches gestiegen! Wir sind als Team noch enger zusammengewachsen und werden dieses Erlebnis noch unseren Urenkeln erzählen!

02.07.2019 Vivian Opitz

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