Pferdeglück

Mehr als nur ein Trainingsobjekt

Reitställe gibt es wie Sand am Meer. Da ist die Frage gar nicht so leicht, für welchen man sich entscheiden soll. Dann wählt man einen aus, der einen guten Ruf hat und gut besucht ist. Alle Pferde stehen in aufgereihten Boxen auf engstem Raum nebeneinander, die der Norm entsprechen. In der Mitte ist ein riesiger, schlecht beleuchteter Gang, in dem viele Reiterinnen und Reiter herumlaufen mit blitzplanken Reitstiefeln und teurer Reitbekleidung. Sie striegeln ihre Pferde, doch viel haben sie nicht zu tun, da die Pferde ausschließlich in der Box stehen und nicht schmutzig werden können. Farblich passend zur Reithose wird eine Satteldecke mit silberner Bestickung samt Sattel auf das Pferd geworfen, festgezorren und eine mit Edelsteinen besetzte Trense aufgetrenst. Nach dem die Ausbinder schön eng angebracht sind, geht es in die Reithalle. Das Pferdekinn ganz knapp vor der Pferdbrust – hierfür wird das Pferd gelobt. Sporen und Gertenhiebe geben dem Pferd klar zu verstehen, dass es schneller vorwärts gehen soll. Die Zügel eng angenommen von weißen Reithandschuhen des Reiters lassen dem Pferd keine Freiheit. Nach 45min „Training“ steigt der Reiter ab, sattelt und trenst ab und stellt sein „Trainingsobjekt“ in seine Box. Tür zu, Licht aus und ab nach Hause. Und am nächsten Tag geht das Spiel von vorn wieder los…Wenn man als Anfänger in solch einen Reitstall kommt ohne großes Hintergrundwissen, geht man davon aus, dass dies zu einer guten Pferdehaltung dazugehört. DOCH FALSCH GEDACHT!!!

Die Noack-Ranch, vor allem Ira, hat mir und zahlreichen anderen die Augen geöffnet und mir gezeigt, wie glückliche Pferde leben. Alle Pferde stehen auf einer riesigen Koppel gemeinsam in einer großen Herde. Sie grasen friedlich nebeneinander und schauen auf, wenn ich komplett außer Atem die Weide hinaufgelaufen komme und bereits von oben bis unten mit Schlammspritzern übersäat bin. Ich habe auf einem Pferd eine Reitbeteiligung und darf es wie mein eigenes behandeln. So viel Vertrauen geschenkt zu bekommen von der Ranchbesitzerin ist ein unbezahlbares Geschenk! Also nehme ich „mein“ Pferd und führe es die Koppel hinunter. Unten angekommen habe ich gut 30min mit dem Putzen zu tun, da sich mein Mädchen in den letzten Stunden wohl ein Schlammbad gegönnt hatte. Ganz entspannt steht das Pferd dort und genießt sichtlich die Massage durch die vielen unterschiedlichen Bürsten. Dann hole ich den Sattel. Dabei ist es mir völlig egal, welche Farbe die Satteldecke hat, hauptsache sie ist an der Unterseite sauber, damit nichts auf dem Pferdrücken reiben kann. Nachdem Trensen wechsel ich meine Schlammschuhe gegen meine Reiterstiefel. Auf dem Reitplatz angekommen, reite ich mein Pferd am langen Zügel warm. Dann gehen wir über zum Training, wobei es mein Ziel ist, die Hilfen so gering und fein zu geben wie möglich. Mein Pferd schnaubt und kaut ab. Das ist der Jackpot für mich. Nach 45min Training tausche ich Sattel und Trense gegen Knotenhalfter und Führstrick. Das Pferd hat sich nun wirklich eine Belohnung verdient. Ich hole die Balancepads und führe Entspannungsübungen mit dem Pferd durch. Nach 30min bringe ich es dann tiefenentspant wieder auf die Koppel, wo es nun den Rest des Tages sowie die Nacht über in seiner Herde verbringen kann.

DANKE IRA FÜR ALLES!

Das, was du mir bis jetzt gezeigt und gelehrt hast, ist unbezahlbar! Du weißt, was ein glückliches Pferd braucht und dieses Wissen gibst du ganz selbstverständlich weiter. Dafür bin ich die sehr dankbar! Ich bin unglaublich froh, dass ich bei dir und deinen Fellnasen „gelandet“ bin und bleiben durfte! Bei dir geht es nicht um die Leistung des Pferdes, um seine Sprunghöhe oder um seine Dressurklasse. Dir geht es um die Seele des Pferdes und um die Beziehung zwischen Reiter und Pferd. Das macht dich und deine Ranch einzigartig!

Vivian Opitz

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